Motorsport-Magazin

by Jörg Stephan
 
 

Touristenfahrten - Mit dem eigenen Auto auf die Rennstrecke


Unter dem glänzenden Lack der Motorhaube: Pure Kraft. Der Motor schnurrt wie ein Kätzchen, ein sanfter Druck auf das Gaspedal und das Schnurren verwandelt sich in das Brüllen einer hungrigen Raubkatze. Die sachte Vibration der Zylinder, die im gleichmäßigen Takt nur darauf warten, ihre Leistung auf die Straße bringen zu können, stellt Dir alle Haare im Nacken auf. Du rollst vom Hof und fährst…

...zum Supermarkt um die Ecke, um Toastbrot und Orangensaft zu kaufen. Leider. Denn sehen wir es realistisch, die Möglichkeiten, auf Deutschlands Straßen sein PS-starkes Auto auszufahren sind mehr als rar. Geschwindigkeitsbegrenzungen, Straßenverkehrsregeln und Rücksichtnahme auf andere Verkehrsteilnehmer stehen dem Wunsch entgegen, das Auto in der Geschwindigkeit zu fahren, für die es eigentlich gebaut wurde.

Aber es gibt eine Lösung für alle, die davon träumen, an die Grenzen zu gehen und herauszufinden, was in ihrem Sportwagen oder sportiven Allrounder noch jenseits des gemächlichen Alltags-Straßenverkehrs alles steckt: Auf etlichen Rennstrecken ist es möglich, als sogenannte Touristenfahrt oder bei einem Track Day mit dem eigenen Auto selber auf die Rennstrecke zu gehen.

Auf Deutschlands Straßen wirst du dein Auto kaum ausfahren können


Die Straßenverkehrsordung macht PS-Enthusiasten das Leben schwer: Ganz klar steht dort: “Rennen mit Kraftfahrzeugen sind verboten”. Aber selbst wenn es gar kein Rennen sein soll, die meisten Strecken unterliegen Geschwindigkeitsbegrenzungen. Zwar gilt in Deutschland auf Autobahnen keine allgemeine Höchstgeschwindigkeit und es sind sogar 70,4 % aller Autobahnkilometer theoretisch frei befahrbar, aber nutzbar ist das kaum. Und so spannend sind 20 Kilometer schnurgerade Autobahn nachts um halb drei nun auch wieder nicht.

Was also tun, wenn man den Wunsch hat, an die Grenzen seines Fahrzeugs zu gehen, wenn man um Kurven driften und den Rausch der Geschwindigkeit erleben will? Für alle Racing Fans, die selber mal eine Rennstrecke mit dem eigenen Auto fahren wollen, ist das freie Fahren auf einer der Rennstrecken Deutschlands die optimale Möglichkeit. Hier triffst du auf Gleichgesinnte, die alle das gleiche Ziel haben: sehen, was im geliebten Auto so alles steckt und wie weit die eigenen Fahrkünste reichen.

Was sind Touristenfahrten?


Die meisten Rennsport-Begeisterten kennen die Rennstrecken hier bei uns bereits von den Rennserien, die sie verfolgen. Auf fast allen besteht das Angebot, mit dem eigenen Auto gegen ein Entgelt die Strecke für eine Touristenfahrt zu nutzen. Am bekanntesten ist hier wohl die Nordschleife des Nürburgrings für seine Touristenfahrten. Die Grüne Hölle selbst zu fahren hat echtes Suchtpotenzial. Wenn du wissen möchtest, wo in deiner Nähe freies Fahren möglich ist, schau doch hier mal rein.

Grundsätzlich sind alle Fahrzeuge, die über eine reguläre Straßenzulassung verfügen, auf der Nordschleife erlaubt (sofern sie mindestens 60 km/h schnell sind, aber das sollte vermutlich kein Problem darstellen). Der Fahrer muss eine gültige Fahrerlaubnis haben. Genaueres findest du in den AGB des Streckenbetreibers.

Diese Bedingungen gelten so auch auf den anderen Autorennstrecken. Manche haben regelmäßig für freies Fahren geöffnet, bei anderen lohnt ein Blick in den Veranstaltungskalender, um sich für einen Track Day anzumelden.Track Days sind Veranstaltungen auf Rennstrecken, bei denen das Freie Fahren zu einem richtigen Event wird - hier erfährst du mehr darüber!

Und dann kannst du endlich mal richtig Gas geben! Die durchaus anspruchsvollen Tracks verlangen dir einiges an Können ab. Gleichzeitig die Strecke im Auge behalten und dein Auto im Griff haben, während du noch darauf achten musst, was die anderen Fahrer um dich herum so machen ist gar nicht so einfach - und trotzdem stellt sich quasi sofort dieses einzigartige Glücksgefühl ein. Mensch und Maschine im Einklang.

Eine Touristenfahrt ist kein Autorennen


Bei aller Begeisterung für hohe Geschwindigkeiten und anspruchsvolles Fahren solltest du dir allerdings darüber bewusst sein, dass freies Fahren kein Rennen ist. Du darfst zwar alles aus deinem Auto rausholen, aber dennoch gilt die Straßenverkehrsordnung, von der ja bereits die Rede war. Solche Manöver wie rechts überholen sind damit auch nicht erlaubt. Besonders hingewiesen wird immer auf § 3 Absatz 1 StVO. Der besagt, dass man nie schneller fahren darf, als die Umstände und die eigenen Fähigkeiten es zulassen - das Fahrzeug muss immer beherrschbar bleiben.

Auf Touristenfahrten greift deine normale Versicherung nicht


Noch ein wichtiges Thema zum Schluss: Wenn du dein Auto im Rahmen einer Touristenfahrt auf einer Rennstrecke fährst, dann werden Unfallschäden nicht von deiner regulären Kaskoversicherung gedeckt. Auf der Rennstrecke ist es auch irrelevant, wer der Verursacher eines Unfalls ist. Wenn du nicht auf den Kosten sitzenbleiben willst, solltest du also dringend entsprechende Versicherungen abschließen. Hier findest du einen ausführlichen Beitrag darüber, worauf du achten solltest. Und auch an dich selber solltest du denken: Informiere dich mit diesem Artikel über Unfallversicherungen im Rennsport.

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